Mit Schere, Herz und G’spür

 

Das Erfolgsgeheimnis von Bettina Wein klingt einfach: jeden Kunden in seiner Einzigartigkeit wahrnehmen. Doch dazu braucht es nicht bloß handwerkliches Geschick, sondern ein feinfühliges Händchen im Umgang mit Menschen.

„Die Adresse eines Geschäftes sagt nichts über seine Qualität aus, sondern nur über die Höhe der Miete“, ist Bettina Wein überzeugt. Die Meisterfriseurin muss es wissen: Schließlich bringt sie seit rund drei Jahrzehnten die Haartracht ihrer Kunden in Form – und das mitten in der Wiener Leopoldstadt. Mit ungekünstelter Herzlichkeit, persönlicher Beratung, gekonnter Schnitttechnik, feinem Farbgefühl und etwas, das in keinem Lehrbuch steht: jeden Menschen als einzigartig zu erkennen und auf ihn individuell einzugehen.

Hinhören und hinspüren

Denn für zufriedene Kundinnen und Kunden braucht es mehr als bloß handwerkliches Geschick. Schließlich ist jeder Mensch ein komplexes Wesen, das es in seiner Einzigartigkeit und Individualität zu erfassen gilt. Für Bettina Wein spielt die Beziehung zwischen Kunde und Friseur eine entscheidende Rolle. Deswegen hört und fühlt sie genau hin, um binnen von Augenblicken ein Gespür für ihr Gegenüber zu entwickeln: Ist der Kunde sicher? Weiß er, was er will? Und wenn ja, sind seine Vorstellungen umsetzbar bzw. passen sie überhaupt zu seinem Typ?

„Die Friseurinnen und Friseure in den kleinen Salons sind wahre Allround-Talente!“

Vertraute Hand begleitet

„Meiner Erfahrung nach kann diese Beziehung nur entstehen, wenn die vertraute Hand den Kunden von der Begrüßung bis zur Verabschiedung begleitet“, erklärt Bettina Wein ihre Philosophie. Und darin punkten gerade die kleinen Friseurstudios, ist sich die Meisterfriseurin sicher. Will ein Kunde sein Äußeres verändern, kommt dies noch stärker zum Tragen. Frau Wein widmet sich ganz und gar ihren Kunden, während diese in großen Friseursalons von mehreren Mitarbeitern bei Schnitt, Farbe und Styling betreut werden.

So begrüßt sie jeden Kunden persönlich und berät mit Geduld und Feingefühl. Damit dieser ihren kleinen Friseursalon nicht nur mit einem typgerechten Haarstyling verlässt, sondern auch mit dem Gefühl sich rundum wohlzufühlen. Vom Haare waschen bis zum Haare föhnen legt die Inhaberin selbst Hand an – und nicht nur bei Schere oder Farbtiegel. Ihre Kunden wissen das zu schätzen.

„Was viele nicht wissen: Die Friseurinnen und Friseure in den kleinen Salons sind wahre Allround-Talente“, sagt Bettina Wein selbstbewusst. Schließlich müssen sie jeden Handgriff selbst beherrschen – ganz gleich, was der Kunde wünscht. Für die Meisterfriseurin ist das auch Teil der täglichen Herausforderung, die ihr nach all den Jahren noch immer Spaß macht.

Fingerspitzengefühl gefragt

Im Friseursalon von Bettina Wein menschelt es; darin sind sich ihre Kunden einig. Nicht nur, weil hier gemeinsam gelacht wird. Zwischen der Meisterfriseurin und ihnen herrscht Vertrauen. Die Beziehung ist echt und nicht gekünstelt. Stammkunden vertrauen sich ihr an – vom Hilfsarbeiter bis zum Akademiker, vom Herrn Ingenieur über die Frau Doktor bis zum alten Adel. „Da braucht es viel Fingerspitzengefühl, weil Friseure automatisch auch Seelenklempner sind“, erklärt die Friseurin ihren Umgang mit der unterschiedlichen Klientel.

Ob ein Gespräch entsteht, hängt prinzipiell vom Kunden ab. Manche wollen für sich alleine sein, andere erzählen ihren kompletten Lebenslauf innerhalb einer Viertelstunde. Ihre Philosophie „die Einzigartigkeit des Menschen zu erkennen und zu verstehen, was er gerade braucht“ leitet sie dabei. Doch dieser hohe Qualitätsanspruch machte die Suche nach Mitarbeitern stets schwierig. In ihrer langjährigen Mitarbeiterin Sarah ist sie schließlich fündig geworden.

 

Meisterfriseurin über Umwege

Bettina Wein wollte alles, nur nie Friseurin werden. Und das obwohl sie aus einer alten Friseurdynastie stammt und bereits als 5-Jährige ihren Puppen Hochsteckfrisuren wie die ihrer Mutter verpasste. So ließ sich die Wienerin zunächst als Lithografin ausbilden. Doch mit Beginn des Computerzeitalters veränderte sich auch das Druckerei-Gewerbe und Frau Wein ergriff im Alter von 18 Jahren den Friseur-Lehrberuf. Ihre Praxisausbildung absolvierte sie in einem Friseursalon in der Wiener Inneren Stadt sowie bei einem kleinen Familienbetrieb in der Wiener Leopoldstadt. Auf ihren Lehrabschluss folgte ein Jahr in Bayern als Filialleiterin einer Friseurkette. Doch die junge Friseurin zog es nach Wien zurück, wo sie die Meisterprüfung mit Bravour bestand.

Der Schritt in die Selbständigkeit erfolgte Jahre später: 2004 machte sich Bettina Wein zunächst als mobile Friseurin selbständig. Als sie beim Spazierengehen zufällig das kleine baufällige Straßenlokal im Stuwerviertel entdeckte, war klar: Hier wird sie ihren eigenen Friseursalon eröffnen. Im September 2005 war es nach monatelanger, eigenhändiger Renovierung endlich soweit.

Gemütlich und barrierefrei

Schon beim Betreten versprüht der kleine Friseurladen mit seinen erdfarbenen Braun- und Goldtönen eine gemütliche Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt. Gelbe Friseursesseln, pinkfarbige Lampenschirme und ein alter Apothekerschrank setzen bewusst Akzente und bestimmen das moderne Ambiente. Draußen, auf der grau-goldenen Fassade ihres Friseursalons, wirbt Frau Wein – alias „Die Friseurin“ – mit ihrer Philosophie.

Bei der Einrichtung ihres Geschäftslokals legte Meisterfriseurin Wein besonderen Wert auf einen barrierefreien Zugang. So steht eine mobile Rampe für Rollstuhlfahrer stets griffbereit und hilft die wenigen Zentimeter Höhenunterschied vom Gehsteig in den Friseursalon ohne Anstrengung zu überwinden. Aus Erfahrung weiß Bettina Wein aber, dass damit ein Geschäftslokal noch lange nicht barrierefrei ausgestattet ist. Deswegen hat sie sich für flexible Waschsäulen – statt fixer Waschplätze mit eingebautem Sitz – entschieden. Hier können Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer bequem am höhenverstellbaren Waschbecken zum Haarewaschen Platz nehmen. Ihr Gespür gab ihr recht: Inzwischen zählen viele Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, zu ihrem treuen Kundenstock.

…dass dieses Wohlgefühl noch lange anhält, wenn sie den kleinen Friseursalon im Stuwerviertel wieder verlassen.

Rundum wohlfühlen 

Die Friseurin, wie sich Frau Wein selbst nennt, ist kein Fan von Sonderangeboten. Ihre Preise kalkuliert sie fair und stets als Komplettpreis. Sie verrechnet ihren Kunden nicht jedes Tröpfchen eines Friseurproduktes. Braucht der Kunde zum Beispiel einen Pflegespray oder Haargel für den perfekten Sitz seiner Frisur, dann bekommt er dies auch – ohne dafür extra zu bezahlen. Transparente Preise sind ihr wichtig, damit es am Ende des Friseurbesuches keine unangenehme Überraschung gibt.

Für sie zählt: Ihre Kunden sollen sich hier nicht nur rundum wohlfühlen und vom neuen Look begeistert sind. Das zufriedene Gefühl hält noch lange an, wenn sie den kleinen Friseursalon im Stuwerviertel wieder verlassen.

Steckbrief:

Die Friseurin

Meisterbetrieb Frau Wein

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag von 9 – 18 Uhr, Samstag von 9 – 12 Uhr
Adresse: 1020 Wien, Stuwerstraße 32
Reservierungen: + 43 1 / 726 22 41
Website: www.frauwein.at
Gründungsjahr: 2004
Gründerin und Geschäftsführerin: Bettina Wein
Philosophie: Jeden Menschen als einzigartiges Wesen zu verstehen
Kunden: Mischung aus allen gesellschaftlichen Schichten
Besonderheiten: Barrierefreier Friseursalon, Hunde sind willkommen
Sprachen: Deutsch und Englisch